Pierre-Michel Lasogga (der Horst Hrubesch unter den jungen Stürmern)

Die Leihe ist perfekt, wir haben einen neuen Hrubesch. Glaubt man zumindest den Aussagen des Trainers und Sportvorstandes

Dafür hat uns Per Skjelbred verlassen. Schade, ich mochte ihn sehr, kann aber sowohl den Verein (brauchten was zu tauschen) und den Spieler (will spielen) verstehen. Per hatte bei uns keinen Stammplatz und war bisher in der Saison nicht mal 3. Wahl bei den Einwechslungen. Sein Spiel ist für das System von Thorsten Fink zu eindimensional: Er versteht es defensiv die rechte Seite zu zu machen, in der Offensive ist er aber fast wirkungslos. Das paßt eben nicht, nun kann er Spielpraxis bekommen.

Nun haben wir also den gesuchten Stürmer, der die Bälle verteilen kann. Lasogga ist trotz seines Alters ein erfahrener Spieler. Er hat bereits in der Bundesliga gespielt und mit 8 Toren bewiesen, daß er in der Lage ist mitzuhalten.

Wer ist dieser Pierre-Michel Lasogga? Da ich in den Berliner Fußball wenig Einblick habe, suchte ich mir jemand, der Ahnung davon hat. Dabei bin ich auf Sebastian Fiebrig gekommen. Wie, ein durch und durch eiserner (Sebastian schreibt und redet beim Textilvergehen über den 1. FC Union Berlin) soll mir Fragen zu einem Spieler der Hertha beantworten? Klar, neben seiner Liebe zu Union ist er beruflich für die Berliner Morgenpost als Reporter für die Hertha unterwegs und bloggt bei immerhertha ebenfalls über den Berliner Erstligisten. Also der perfekte Interviewpartner für meine Fragen.

Hier das Interview, welches Sebastian und ich per Mail geführt haben:

Wir leihen also einen 21 jährigen Stürmer aus. Kannst du ihn für uns charakterisieren? Seine Spielweise, wie ist er als Mitspieler, was sind seine Stärken und Schwächen?

Das Interessante ist, dass ich zwar schon eine Weile Hertha als Journalist begleite, Lasogga aber nur sehr wenig gesehen habe. Er war einfach durch seinen Kreuzbandriss einfach zu lange raus. Er hat eine sehr direkte Spielweise und ist durchsetzungsstark. Trotz seiner erst 21 Jahre sehe ich in ihm einen etablierten Bundesligaspieler. Das wird vor allem deutlich, wenn man ihn im Vergleich zu gleichaltrigen Spielern sieht. Dagegen wirkt er nicht nur körperlich weiter, sondern auch mental. Er hat eben bereits acht Tore in der Bundesliga geschossen. Er ist sehr ehrgeizig, aber bestimmt kein Spieler, der schlechte Stimmung verbreitet. Er versucht aber manchmal zwei Schritte auf einmal zu gehen. Geduld ist nicht seine Stärke.

Zuletzt war er mit einem Außenbandriß außer Gefecht gesetzt. Davor hatte er schon einen Kreuzbandriss. Liegt es an seiner Verletzungsanfälligkeit, daß er (noch) nicht zum etablierten Spieler bei Hertha wurde?

Nein. Und zwar gleich doppelt. Lasogga war vor seinem Kreuzbandriss definitiv ein etablierter Spieler bei Hertha. Und vor allem war er der Abstiegssituation eher gewachsen als beispielsweise sein kolumbianischer Konkurrent Adrian Ramos, der beinahe leblos spielte. Wie schon gesagt, die mentale Stärke ist ein riesiger Vorteil von Lasogga.
Allerdings hat er es nicht geschafft, sich unter Jos Luhukay zu etablieren. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen war er in der Reha in Gelsenkirchen während sich das Team im letzten Jahr auf die Mission Wiederaufstieg vorbereitete und stieß erst im November zum Team. Ins Mannschaftstraining kam er gar erst im Januar. In der Zwischenzeit haben sich die Spieler und Luhukay gefunden, Hertha war seit dem zweiten Spieltag ungeschlagen. Es gab für den Trainer einfach keinen Grund Ramos herauszunehmen und dafür Lasogga zu bringen.

Verzichtet Hertha damit nicht auf einen Spieler, den sie selber gut gebrauchen können? Im Sturm stehen Adrian Ramos, Sami Allagui und Sandro Wagner zur Verfügung. Wieso läßt Jos Luhukay ihn gehen?

Der Coach setzt auf ein System mit einer Spitze. Dafür erscheint ihm der 21-Jährige nicht flexibel genug. In einem Interview vor wenigen Wochen hob er die einzelnen Qualitäten seiner Angreifer hervor, die sie neben ihrer Rolle als Stürmer für das Team haben. Lasogga tauchte in dieser Aufzählung bezeichnenderweise gar nicht auf. Sein Problem bei Hertha ist, dass er im Gegensatz zu Sami Allagui und Sandro Wagner nur als Stoßstürmer seine Stärken ausspielen kann. Dabei ist allerdings nicht so wichtig, ob das in einem System mit einer oder zwei Spitzen ist.
Nach fast einem Jahr ohne Spielpraxis muss Lasogga wieder konstant auf dem Platz stehen. Hertha hat außerdem ein ureigenes Interesse, den Marktwert des Spielers, der aus genannten Gründen schwer über das Training in Luhukays Team kommt, nicht weiter abzusenken. Im Januar hatte noch Stuttgart offiziell vier Millionen Euro geboten, um den Stürmer direkt nach seinem Kreuzbandriss zu verpflichten. Auch der HSV war interessiert.

Lasogga hat jetzt schon in 4 Vereinen und Städten (Berlin, Leverkusen, Wolfsburg und Wattenscheid) gespielt, ist er ein Wandervogel, hat er sich immer weiter verbessert oder warum wechselt er so häufig in der Jugend den Verein?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich kenne ihn nur aus Berlin. Er selbst ist sehr ehrgeizig. Das mag eine Rolle spielen. Allerdings sollte man nicht vernachlässigen, dass er keinen richtigen Berater hat, sondern von seiner Familie in Vertragsfragen unterstützt wird. Das klingt zwar komisch, aber in solchen Fällen werden manchmal Leistungsentscheidungen von Trainern als persönlicher Affront wahrgenommen. Die Familie sieht das Potential eines Spielers eben naturgemäß deutlich höher. In Berlin habe ich bei Lasogga aber nicht gemerkt, dass so etwas noch einen Einfluss auf ihn hat. Jedenfalls nicht in der täglichen Arbeit. Allerdings glaube ich, dass sein Umfeld wohl am liebsten schon im Winter einen Wechsel gesehen hätte. Dem hat aber Hertha nicht zugestimmt.

Du kennst dich ja nicht nur gut bei Union Berlin aus, sondern auch bei der Alten Tante aus Berlin, warum will Michael Preetz Per Ciljan Skjelbred leihen? Besteht auf der rechten Seite so ein Bedarf? Was meinst du, wird er sich unter Jos Luhukay durchsetzen können?

Es besteht Bedarf. Allerdings nicht akut. Die Situation ist so, dass momentan auf der rechten Seite Sami Allagui spielt, der ebenso im Sturmzentrum zum Einsatz kommen kann. Hertha hat mit Marcel Ndjeng nur einen gelernten Rechtsaußen, der zu Saisonbeginn als rechter Verteidiger eingesetzt wurde. Nun ist er allerdings verletzt. Wenn man den Israeli Ben Sahar beiseite lässt, der noch nicht einmal im Kader stand, fehlt einfach ein funktionierendes Backup. Dazu kommt noch der Kreuzbandriss von Alexander Baumjohann, der auf rechts ausweichen könnte.
Luhukay holt eigentlich keine Spieler, die bei ihm keine Chance haben. Er hat mit Skjelbred gesprochen und danach war der zu einem Wechsel bereit. Hertha sieht ihn in Hamburg als Sechser oder Achter falsch aufgestellt und die besondere Stärke von Skjelbred auf Rechtsaußen. Ich vermute, dass der Norweger das ähnlich sieht und deswegen auch zugestimmt hat. Luhukay hat zudem den Ruf, Spieler weiterentwickeln zu können. Davon profitiert Hertha in Transferverhandlungen.

Mal ehrlich, wer ist der Gewinner bei dieser Leihe? Der HSV? Die Spieler? Die Hertha?

Im besten Fall alle. Wobei ich zugebe, dass das Risiko für Hertha geringer ist. Auch der finanzielle Einsatz der Berliner ist niedriger. Der HSV zahlt eine Leihgebühr für Lasogga, Hertha hingegen für Skjelbred nicht. Wenn Lasogga fit ist und als Stoßstürmer eingesetzt wird, kann er in Hamburg für sehr viel Freude sorgen. Wie gesagt, er ist kein Talent mehr.

Danke für die Antworten und weiterhin viel Erfolg für Union.

Fazit
Ich vermute, daß Lasogga nicht die erste Wahl des Sportvorstandes war. Ebenfalls finde ich es komisch, daß keine Kaufoption beschlossen wurde. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Der neue Stürmer scheint mir für das System von Thorsten Fink weniger geeignet, suchen wir doch eigentlich einen mitspielenden Stürmer. Aber als Alternative zu Rudi, Maxi & Jacques bringt doch eine Variante ins Spiel, die uns im Moment noch fehlt.

In diesem Sinne: Nur der HSV!

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17 Responses to “Pierre-Michel Lasogga (der Horst Hrubesch unter den jungen Stürmern)”

  1. OlliMe sagt:

    Jau, echt super. Den 4.Stürmer von der Hertha-Aufsteigerbank sich ausleihen zu dürfen. Laufen darf er auch noch nicht richtig, aber er wird bestimmt rieeeeesig einschlagen. Da ist der Vergleich zu Hrubesch das Minimum….CL wir kommen!

    • nedfuller sagt:

      Schade, daß du ihm keine Chance zu geben scheinst. Erinnere dich an Rudi, was da vorher alles geschrieben und erzählt wurde. Am Ende sprangen 12 Tore dabei rum.

      Ich gebe PML eine Chance, du auch?

      Weiterhin: Ohne Arme keine Kekse. Wir haben nicht die Kohle um uns einen „besseren“ Stürmer leisten zu können.
      Vom Spieltyp passt PML zum Fink’schen System, also laßt uns doch hoffen, daß es paßt.

  2. […] mit ihrer Transferpolitik nach dem Minimalprinzip durch die Saison kommen wird. Ned Fuller (Nedsblog) versucht indes, mehr über den neuen HSV-Spieler Lasogga zu erfahren und interviewt einen […]

  3. Ferenc_I sagt:

    Skjelbred eher als Rechtsaußen als als 8 oder 6 – da war der Trainer ja schon einmal beratungsresisstent, nich’wa‘ Ned?

    Ob 8 Tore nun unbedingt „etabliert in der Bundesliga“ bedeuten müssen – das erscheint mir eher nicht intuitiv (und weckt bei mir die Assoziation Dirk-Uwe Weetendorf). Aber ich lasse mich gerne positiv überraschen. Bloss: es gibt doch im Kader einen Stürmer, der schon 12 Tore in der Bundesliga hat – ist der dann überetabliert?

  4. heinzkamke sagt:

    Ohne Arme keine Kekse? Hihi, das hab ich noch nie gehört.

  5. YellowLed sagt:

    Wenn Luhukay in Skjelbred einen Rechtsaußen sieht, kann sich die Leihe für uns sehr lohnen – falls Luhukay ihm beibringen kann, wie man das spielt. Denn Sechser oder Achter hat er bei uns seit Jahren nicht gespielt.

    Ansonsten bin ich kein Freund von Leihen ohne Kaufoption, aber Leihe ohne Kaufoption heißt ja auch nicht immer, dass nicht nachverhandelt wird. Ansonsten bin ich bei Florian – Lasogga ist der Typ Stürmer, den Fink will, der (laut Fink) ins System passt. Der Hrubesch-Vergleich ist allerdings so unglücklich, wie er bei Dirk Weetendorf schon war. (Den ich übrigens mal im Taxi hatte. Netter Typ.)

    • nedfuller sagt:

      ich weiß nicht, welche Seite darauf bestanden hat, keine Kaufoption zu vereinbaren. Wäre mir wie bei Djourou auch lieber gewesen. Mal sehen, was am Ende der Leihe passiert.

  6. Olli sagt:

    Interessantes Interview, vielen Dank.

    Ich hoffe, Lasogga bekommt dann über mehrere Spiele hinweg auch wirklich die Gelegenheit, sich zu zeigen, damit sich hier eine tatsächliche Meinung bilden lässt. Was ich dann allerdings doch schade fände für Rudi. Der hat zwar ein gewisses Pitroipa-Syndrom, jedoch wie bereits erwähnt auch 12 Buden gemacht letzte Saison. Er braucht das Vertrauen genauso, um die Sicherheit in sein Spiel zu bekommen.

    Und ich war bisher der festen Überzeugung, der Deal wäre ohne Leihgebühr abgelaufen. Hab ich da was verpasst?

    • nedfuller sagt:

      Ohne Leihgebühr? Ich meine wir haben was gezahlt. 450k wenn ich mich nicht irre.

      • Olli sagt:

        Es wurde in der Presse überall geschrieben, dass sich die beiden Spieler monetär die Waage geben und daher ein simpler Tausch vereinbart wurde. Von einer einseitigen Leihgebühr wusste ich bisher nichts, wäre aber interessant zu wissen, denn wir haben ja nun wirklich nichts zu verschenken — naja, außer Berg, Scharner, … *hust*

  7. Nils sagt:

    Ich sehe das Lasogga-Geschäft positiver: Einen Stürmer mit einem vergleichbaren Potential hätten wir uns nicht leisten können. Und das Risiko ist aufgrund der geringen Kosten auch erfreulich überschaubar.

    Die fehlende Kaufoption ist allerdings ein echter Nachteil: Wenn er einschlägt, wird es teuer für uns oder er geht wieder. Wenn er nicht einschlägt, ist es eh doof.

    Unterm Strich trotzdem eine interessante Option in dieser Saison für wenig Geld!